In den vergangenen dreißig Jahren hat Alexander Häntzschel an mehreren Universitäten in Asien studiert, geforscht und akademische Einrichtungen kennengelernt. Im Herbst 2025 besuchte er erneut ausgewählte Universitäten in Japan, Hongkong, Singapur, Taiwan und Thailand.

Viele dieser Universitäten gehören heute zur internationalen Spitze. Rankings wie Times Higher Education, QS, Leiden, Shanghai oder EduRank bewerten sie nach unterschiedlichen Kriterien – etwa nach Forschung, Reputation, Internationalität, Zitationen und fachlicher Stärke. Vor Ort zeigen sich jedoch auch Geschichte, Campusarchitektur, akademische Kultur und die gesellschaftliche Rolle dieser Einrichtungen.
University of Tokyo
Die University of Tokyo zählt knapp 30.000 Studierende und gehört zu den führenden Universitäten Japans. Alexander Häntzschel besuchte den Komaba Campus und den Hongo Campus.
Die Reise führte zunächst nach Komaba, dem Campus der jüngeren Studierenden: offen und modern.


Hongo dagegen vermittelt akademische Autorität. Hier liegt das administrative Zentrum der Universität. Das berühmte Rote Tor stammt noch aus der Edo-Zeit. Weil viele Gebäude aus der Meiji-Zeit beim Großen Kantō-Erdbeben 1923 zerstört wurden, prägen heute Backsteinbauten im Uchida-Gotik-Stil und alte Ginkgo-Bäume das Bild. In der Umgebung liegen unter anderem das Bücherviertel Jimbōchō, der Ueno Park, das Elektronikviertel Akihabara und der Tokyo Dome.

Kyoto University
Sehr schön ist auch die Kyoto University. An der zweitältesten Universität Japans lernen heute rund 22.000 Studierende. Auf dem Yoshida Campus in Sakyō-ku stehen historische Gebäude wie die Clock Tower Centennial Hall neben modernen Forschungsbauten.

Seit 2015 befindet sich dort auch ein ständiges Büro der Universität Heidelberg. Alexander Häntzschel besuchte im Herbst 2025 die Graduate School of Letters und nahm an der Keynote Lecture eines Workshops zum Thema „Visual Media in a Post-Growth Era“ teil.
Kyoto ist das kulturelle Zentrum Japans – mit Sehenswürdigkeiten wie dem alten Kaiserpalast, dem Goldenen Pavillon, dem Zen-Garten von Ryōan-ji und den roten Torii am Shinto-Schrein Fushimi Inari-Taisha.
University of Hong Kong
An der University of Hong Kong schaut Alexander Häntzschel bei jedem Aufenthalt in der Stadt vorbei. Als Student belegte er dort Lehrveranstaltungen zu chinesischer Geschichte und Soziologie. Seither hat sich die Anzahl der Studierenden auf rund 42.000 verdreifacht.
Die HKU wurde 1911 in einer Zeit gegründet, als zahlreiche Universitäten nach westlichem Bildungsmodellen in Ostasien entstanden. Das Hauptgebäude im Edwardian-Baroque-Stil stammt aus dieser frühen Phase. Die neueren Gebäude an der steilen Pokfulam Road sind durch Terrassen miteinander verbunden. Die Nutzung der Hauptbibliothek für Gastwissenschaftler ist heute allerdings nicht mehr so einfach möglich wie früher. Generell hat sich Hongkong seit der Übergabe an China spürbar verändert.


National University of Singapore
Auch mit der National University of Singapore fühlt sich Alexander Häntzschel weiter verbunden. Dort schrieb er einst seine Magisterarbeit über den Einfluss englischsprachiger Tageszeitungen in Südostasien.
Der Campus in Kent Ridge liegt etwas außerhalb und wirkt wie eine eigene Stadt – mit Shuttle-Bussen, Forschungsinstituten wie dem Asia Research Institute, Wohnanlagen und tropischer Vegetation. Die NUS entstand 1980; ihre institutionellen Wurzeln reichen jedoch bis 1905 zurück. Heute zählt die NUS rund 50.000 Studierende.
Singapore Management University
Spezialisierter ist die Singapore Management University. Sie wurde im Jahr 2000 nach dem Vorbild der Wharton School entwickelt. Die SMU hat etwa 14.000 Studierende und liegt im zentralen Viertel Bras Basah. Viele Gebäude der SMU sind durch einen unterirdischen „Concourse“ miteinander verbunden.
Alexander Häntzschel besuchte insbesondere die dreifach akkreditierte Lee Kong Chian School of Business. Interessant ist, dass dort nicht nur mit Fallstudien der Harvard Business School gearbeitet wird, sondern auch eigene Cases entwickelt werden. Eine Leitungskraft begründete dies mit der Ausrichtung auf den asiatisch-pazifischen Raum.

Nanyang Technological University
Noch stärker fachlich ausgerichtet war der Besuch an der Nanyang Technological University. Alexander Häntzschel verbrachte einen Tag an der Wee Kim Wee School of Communication and Information, traf Mitarbeitende und recherchierte in der Bibliothek, die auch die frühen Bestände des Asian Media Information and Communication Centre umfasst.
Die School of Communication Studies wurde 1992 gegründet und 2006 nach dem früheren singapurischen Präsidenten Wee Kim Wee benannt. 2013 stand sie im Mittelpunkt einer öffentlichen Debatte über akademische Freiheit in Singapur, als dem Kommunikationswissenschaftler Cherian George eine dauerhafte Professur verweigert wurde. Fachlich gehört die WKWSCI dennoch zur Weltspitze: Im QS-Fächerranking 2026 für Communication & Media Studies liegt sie weltweit auf Platz 2 und damit auf Platz 1 in Asien.
Die NTU zählt rund 41.000 Studierende. Sie liegt im Westen Singapurs und soll ab 2029 durch drei Stationen der Jurong Region Line besser angebunden werden.

National Taiwan University
An der National Taiwan University in Taipeh verbrachte Alexander Häntzschel im Sommer 2025 mehrere Wochen als Gast am Graduate Institute of Journalism sowie in der Koo Chen-Fu Memorial Library des College of Social Sciences.

Die NTU wurde 1928 als Taihoku Imperial University gegründet und liegt im schönen Studentenviertel Gongguan. Der weitläufige Campus umfasst einige der besterhaltenen Beispiele japanischer Kolonialarchitektur in Taiwan. Viele davon liegen am Royal Palm Boulevard, der zur gut ausgestatteten Universitätsbibliothek führt. Am besten nimmt man ein YouBike-Leihfahrrad, wie viele der insgesamt etwa 35.000 Studierenden.

Für einen Ausflug lohnt ein Besuch der kleinen Aletheia University in Tamsui, deren Geschichte auf das 1882 von einem kanadischen Missionar gegründete Oxford College zurückgeht.


Feng Chia University und Ling Tung University
Noch bevor man in Taichung die private Feng Chia University betritt, spürt man das studentische und weltoffene Flair des Viertels. Der nahegelegene Fengjia Night Market zählt zu den größten Nachtmärkten Taiwans und bietet ein breites Spektrum an kulinarischen Spezialitäten und kuriosen Produkten.
Der Campus ist weniger monumental als andere Universitäten, aber angenehm ruhig – bis zur Mittagspause, wenn viele der etwa 20.000 Studierenden aus den Veranstaltungen strömen. Anfang 2025 wurde das dachbegrünte Gongshan Building mit Aula und Seminarräumen eröffnet. Entworfen wurde der Bau vom japanischen Architekten Kengo Kuma.


Zum Vergleich besichtigte Alexander Häntzschel auch die private Ling Tung University, die weiter außerhalb von Taichung liegt. Sie hat rund 10.000 Studierende und wirkt durch ihre Betonarchitektur eher funktional.
In Taiwans ältester Bildungsstätte, der Minglun Hall im Tainan Confucius Temple aus dem Jahr 1665, spürt man ein tieferes Bildungsverständnis. Hier ging es nicht nur um Wissen, sondern um Charakterbildung. Der Raum fordert Haltung, Disziplin und Selbstkultivierung.

Chulalongkorn University
Auf dem Rückweg nach Deutschland besuchte Alexander Häntzschel die Faculty of Communication Arts der Chulalongkorn University in Bangkok. Die „Chula“ wurde 1917 von König Vajiravudh, Rama VI., gegründet und nach dessen Vater König Chulalongkorn, Rama V., benannt. Ihr Campus liegt mitten in der Stadt und wirkt doch grün, großzügig und repräsentativ. Zur akademischen Kultur gehört die Rivalität mit der Thammasat University, die unter anderem in einem traditionellen Fußballspiel im Suphachalasai Stadium ausgetragen wird.

Gesammelte Eindrücke
Die besuchten Universitäten zeigen, wie vielfältig die Hochschullandschaft in Asien geworden ist – von traditionsreichen Forschungsuniversitäten bis zu funktional geprägten privaten Bildungseinrichtungen. Für Alexander Häntzschel sind diese Orte des Wissens wichtige Quellen fachlicher Orientierung, methodischer Impulse und internationaler Perspektiven.